Wer nichts macht, macht nichts falsch

Kennen Sie diesen Ausspruch? Er fällt mir in letzter Zeit immer häufiger ein. Wir alle haben es in diesen Tagen nicht leicht, überall gibt es Einschränkungen, Verbote und Maßnahmen, die unser bisher gewohntes Leben auf den Kopf stellen. Das Schlimme daran ist, dass keiner genau sagen kann, ob es diese Mühen wert sind, ob die Beschränkungen die erhofften Wirkungen zeigen. Keiner von uns hat eine solche Situation schon einmal erlebt, wir können leider auf keine Erfahrungen früherer Generationen zurückgreifen. Ob unsere aktuelle Handlungsweise richtig oder falsch ist, wird sich frühestens in einem Jahr zeigen.

Natürlich betreffen diese Einschränkungen auch unsere Gemeindeleben. Das gibt es in seiner alten Form nicht mehr. Aber es gibt Alternativen und einen wöchentlichen Gottesdienst. Glauben Sie mir, dass wir im Gemeindekirchenrat hart diskutieren, jedes Mal aufs Neue, am Ende aber fast immer geschlossen eine Entscheidung treffen: den Gottesdienst auch weiterhin unter Auflagen, wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes nur in einer Kirche zu feiern. Es ist ein Kompromiss, den wir eingehen, um wenigstens ein bisschen Regelmäßigkeit zu erhalten. Das ist keine leichte Entscheidung, aber wir als Gemeindekirchenrat tragen Verantwortung. Schließlich ist es ja nicht nur mit der Festlegung des Ortes getan, es muss ein Hygienekonzept erarbeitet und eingehalten und Schutzmaßnahmen getroffen werden. Die Kirche muss sozusagen „präpariert“ werden für ihre Nutzung. Unter den derzeitigen Auflagen ist die Nutzung unserer kleinen Kirchen gar nicht möglich, die Personenzahl wäre enorm eingeschränkt. Wen sollten wir nach Hause schicken? Und sind wir mal ganz ehrlich: braucht es zum Gottesdienst feiern zwingend die eigene Kirche? Offenbart sich Gott einem nur in der eigenen Kirche? Kann ich nicht auch an einem anderen Ort mit Gott reden?

Dass das, was wir hier machen und festlegen das einzig Richtige ist, hat nie jemand behauptet, und ob uns diese ganzen Einschränkungen und Maßnahmen letztendlich auch helfen, steht in den Sternen. Aber ich bin es leid, mir immer nur ein „Aber ...“ anhören zu müssen. Es ist freilich leichter aus der Ferne mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und zu kritisieren: „Du bist schuld.“ – Denn nur wer selber nichts macht, macht auch nichts falsch.

Also machen SIE mal. Machen Sie sich zum Beispiel auf den Weg nach Vierzehnheiligen. Probieren Sie es aus. Oder rufen Sie unsere Pfarrerin, Cornelia Gerlitz, doch ganz einfach mal an, dann kommt sie zu Ihnen. Oder bringen Sie Ihre Gedanken und Wünsche vor den Gemeindekirchenrat. Vielleicht haben Sie ja die Lösung, nach der wir suchen. Weihnachten steht vor der Tür und das wird definitiv anders als bisher.

 

Ich wünsche mir, dass wir alle ein bisschen demütiger sind, mehr auf Gott vertrauen und das Positive in dieser Zeit suchen. Ihre Christiane Geßner (Vorsitzende des Gemeindekirchenrates)