"Ein jegliches hat seine Zeit"

 Liebe Leser,

„ein jegliches hat seine Zeit“ (Sprüche 3,1ff), so lautet ein bekanntes Sprichwort aus der Bibel.

 

Ein jegliches hat seine Zeit … - Altbewährtes hat in diesem Jahr keine Zeit.

 

Die Kirmse und Dorffeste, Kulturveranstaltungen, Konfirmationen, Familienfeiern, Hochzeiten, Weihnachtsmärkte und vieles mehr mussten dieses Jahr abgesagt werden oder durften nur in viel kleinerer Form stattfinden. Das ist eine Seite. Die andere sind die Existenzängste vieler Menschen, die ihrem Beruf nicht mehr nachgehen können.

 

Die Zeit der Corona-Pandemie fordert von uns allen privat und beruflich viel, sehr viel, ab. Gewohnte und liebgewordene Traditionen konnten und können dies Jahr nicht begangen werden.

 

Damit zu leben ist für niemanden einfach. Ich habe das Gefühl, dass wir alle dünnhäutiger, frustrierter und aggressiver geworden sind.

 

Auch bei uns in den Kirchengemeinden spüren wir die Veränderungen.

 

Ja, wir feiern nicht mehr in jedem unserer dreizehn Kirchen Gottesdienste. Aber ich bin dankbar, dass wir im Gegensatz zum Frühjahr, wo die Gottesdienste in der Karwoche und zu Ostern ganz ausfallen mussten, noch Gottesdienste feiern können und nicht, wie andere gesellschaftliche Bereiche und Branchen gezwungen sind zu schließen.

 

Und ich bin froh und stolz, dass sich der Gemeindekirchenrat der Aufgabe stellt – und vor allem auch die nicht leichte Verantwortung trägt – zu überlegen, wie und wo wir Gemeindearbeit gestalten können. Dabei leitet uns immer wieder das Wohlbefinden aller Menschen – der Schwachen und Starken, der Kranken und Gesunden, der Alten und Jungen. „Niemand suche das Seine, sondern was dem andern dient“ (1. Kor 10, 24).

 

Zurzeit bedeutet Nächstenliebe schlicht und ergreifend Kontakte einzuschränken. Dazu sollten auch wir als Kirche unseren Beitrag leisten.

 

Ein jegliches hat seine Zeit … - Missverständnisse aufzuklären, hat seine Zeit.

 

Seit Juni 2020 feiern wir nur in Vierzehnheiligen Gottesdienste. Wenn die Bedingungen es wieder erlauben, werden wir auch in allen Kirchen, auch den kleinen, Gottesdienste feiern. Ich höre Befürchtungen, dass dann keiner mehr zum Gottesdienst kommt. Diese Angst teile ich nicht. Bedenken Sie, es liegt an Ihnen, ob Sie zum Gottesdienst in Ihrem Ort gehen oder nicht. Es ist Ihre persönliche Entscheidung, welche Bedeutung der Gottesdienstbesuch für Sie hat.

 

Unmut bekomme ich mit, dass ich als Pfarrerin nicht erreichbar sei. Das stimmt nicht. Meine Handynummer ist Ihnen bekannt. Unter 0160/8069540 bin ich für Sie da. Reden wir mit- statt übereinander! Schließlich wollen wir doch alle das Beste für unserem Kirchengemeindeverband. Ich freue mich auf Gespräche, Anregungen und Ideen mit und von Ihnen.

 

Ein jegliches hat seine Zeit …- Weihnachten zu feiern, hat seine Zeit.

 

Am 24. Dezember feiern wir Heiligabend, daran ändert auch Corona nichts. Dass es nicht so wird, wie wir es gewohnt sind, das weiß unser Verstand und doch tragen wir die Sehnsucht in unseren Herzen, ein halbwegs normales Fest feiern zu können.

 

Seit Wochen überlegen wir, Ehren- und Hauptamtliche, wie wir den Heiligen Abend in unseren Orten begehen können. Nachdem am Sonntag, 13.12.20, ein neuer harter Lockdown beschlossen wurde, mussten auch wir unsere Ideen in die Schublade legen. So werden am Heiligen Abend in vielen Orten die Glocken erklingen, um symbolisch die Weihnachtsbotschaft in die Orte zu tragen. Auch die Weihnachtsgeschichte wird gelesen.

 

An dieser Stelle möchte ich allen danken, die sich Gedanken über Heiligabend machen!

 

Dass Jesus, der Sohn Gottes, in einem Stall geboren wird, hat schon vor 2.000 Jahren alle traditionellen Erwartungen an ein festliches Ereignis über den Haufen geworfen. Insofern sind unerwartete Umstände, wie wir sie in diesem Jahr erleben, eigentlich eine weihnachtliche Urerfahrung der Christenheit: Gott kommt meist anders, als wir denken. Was sich ja auch daran zeigt, dass er die Welt als Baby betritt, nackt und noch dazu in einem Stall. Dass ist anders hoch 3. Kein Wunder, dass Herodes dieses Kind nicht auf seinem Zettel hatte.

 

Egal wie es in diesem Jahr wird, auch 2020 erklingt die Weihnachtsbotschaft hell und deutlich:

 

„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ (Lukas 2,10b-11)

 

Ich wünsche Ihnen gesegnete Weihnachten

Ihre Pfarrerin Cornelia Gerlitz

 

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